Referent: Dr. Thorsten Hindrichs
Zeit: 09. Juni 2020, 19.00 Uhr
Ort: Popakademie Baden-Württemberg, Hafenstr. 33
Flyer: Thorsten Hindrichs - Popmusik im Echoraum des Rechtspopulismus

Von vorgeblich unpolitischen Selbstpositionierungen bis zu unverkrampften Sommermärchen, vom eigentlich ganz anders Gemeinten bis zu »Das-wird-man-doch-noch-sagen-dürfen«-Attitüden: Wenn jede Gesellschaft genau die Musik hervorbringt, die ihrer Verfasstheit entspricht, dann eröffnet der Blick auf aktuelle deutsche Popmusik Einsichten, die noch deprimierender sind, als Martin Büssers Bestandsaufnahme zum Klang der »Neuen Mitte« es vor knapp 15 Jahren befürchten ließ. Philipp Burger von Frei.Wild hält das Wort völkisch für »Geschmackssache«, MIA. hingegen findet, derweil sie »neues deutsches Land« betritt, das Weltbild von Frei.Wild zum Kotzen. Xavier Naidoo sieht »da oben« nur noch Marionetten, Kollegah will kein Antisemit sein, findet aber nicht so gut, dass die Juden »sich immer in diese Opferrolle setzen« … Die Liste lässt sich problemlos fortsetzen, denn immer mehr deutschsprachige Musikerinnen und Musiker artikulieren in ihren Songs rechtspopulistische Einstellungen und aus den rechtspopulistischen Echoräumen, den sozialen Medien, Blogs und Foren, schallt viel Zustimmung zurück. Auch für 2018 meldete der Bundesverband Musikindustrie, dass sich »der Erfolgskurs deutschsprachiger Musik bzw. Musik heimischer Künstlerinnen und Künstler fortsetzt«. Thorsten Hindrichs blickt auf diese heimischen Künstlerinnen und Künstler der letzten zwanzig Jahre und zeigt, quer durch alle Genres, wie reaktionäre und rechte Einstellungen in »deutscher« Popmusik widerhallen.

Thorsten Hindrichs, promovierter Musikwissenschaftler, ist seit 2002 wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Musikwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und als freier Autor außerdem seit vielen Jahren in der politischen Bildungsarbeit gegen rechts aktiv.

Eine gemeinsame Veranstaltung des Arbeitskreises gegen Antisemitismus und Antizionismus Mannheim e. V., des Jugendkulturzentrums FORUM und der Popakademie Baden-Württemberg.