Referent: Samuel Salzborn
Zeit: 17. Januar 2017, 19.00 Uhr
Ort: Stadthaus N1, Podiumsgeschoss Raum 52/53

Seit Jahrzehnten zeigen empirische Untersuchungen, dass es in Deutschland einen konstanten Anteil von etwa einem Fünftel Antisemitinnen und einem Viertel Rassistinnen gibt. Kurzfristig können sich die Werte ändern, der antiaufklärerische Bodensatz ist aber stabil. Die meisten dieser Menschen fallen im Alltag nicht durch politische Aktivitäten auf, das Etikett »rechtsextrem« würden sie weit von sich weisen. Völkisch-nationalistische Einstellungen vertretend und Verschwörungstheorien anhängend, sind ihnen kritisches und rationales Denken genauso verhasst wie Gleichberechtigung. Diese Klientel hat in der AfD ihre politische Heimat gefunden. Die Partei vereinigt das gesamte antiaufklärerische Ressentiment in sich und wird dennoch im dominanten Diskurs nicht als rechtsextrem klassifiziert. Pointiert formuliert, gründet der Erfolg der AfD in dem Wunsch, rechtsextreme Positionen zu artikulieren, ohne »Nazi« genannt zu werden. Ausgehend von dieser These wird entfaltet, in welchem Verhältnis Rechtsextremismus und Rechtspopulismus zueinander stehen, wie sie voneinander abzugrenzen und welche (fließenden) Übergänge auszumachen sind. Zu fragen ist in diesem Kontext auch, welche Auskunft die »Causa Wolfgang Gedeon« über die AfD gibt: Was sagt sie über den Antisemitismus innerhalb der AfD aus, was über die verschiedenen Strömungen und Motivationen? Auf Basis dieser Analysen wird abschließend der Blick auf sinnvolle Strategien im Umgang mit der AfD gerichtet.

Der Referent Samuel Salzborn ist Professor für Grundlagen der Sozialwissenschaften am Institut für Politikwissenschaft der Universität Göttingen, Vertrauensdozent der Hans-Böckler-Stiftung, Sachverständiger in der Enquetekommission »Verrat an der Freiheit« des Niedersächsischen Landtags und Autor u. a. von »Rechtsextremismus. Erscheinungsformen und Erklärungsansätze«, »Antisemitismus: Geschichte, Theorie, Empirie« und »Antisemitismus als negative Leitidee der Moderne. Sozialwissenschaftliche Theorien im Vergleich«.

Eine gemeinsame Veranstaltung des Arbeitskreises gegen Antisemitismus und Antizionismus Mannheim und der Sozialistischen Jugend Deutschlands ‒ Die Falken, Stadtverband Mannheim